Deutsche U-Boote 1935 bis 1945

 

Ein Dank geht an Herrn Manfred Raupach für zusätzliche Informationen

 

Geschütze

 

 

Auf den U-Booten vom Typ VII war zu Kriegsbeginn ein 88 mm-Geschütz montiert. Die großen I-, IX- und X-Typen wurden mit einem 105mm-Deckgeschütz ausgerüstet. Bedient wurde das Geschütz in der Regel von 3 Mann. Neben dem Geschütz befand sich ein wasserdichter Munitionsbehälter, in dem die ersten Granaten lagen, so dass das Geschütz schnell feuerbereit war.

 

 

Weiter Granaten wurden durch das Turmluk zur Geschützmannschaft gereicht. Im Kriegsverlauf verschwand Mitte 1943 das Deckgeschütz von den U-Booten, da Überwasserangriffe gegen die gut gesicherten Geleitzüge unmöglich wurden. Einige erfahrene U-Boot-Fahrer durften jedoch "ihr" Deckgeschütz behalten. Darüber hinaus erhielten die in der Ostsee eingesetzten Boote im Juli 1944  ihre Geschütze zurück.

Die Boote führten 250 Schuss 88 mm Munition bzw. bis 150 Schuss 105 mm Munition mit.

 

Die Waffen:

 

Glossar:

M.P.L. = Mittelpivotlafette

S.K. = Schnellladekanone

LM = Lafette für Maschinenwaffe

U = Ubootslafette

 

88 mm S.K. C 30 U in Lafette C 30 U:

 

Diese Variante der 8,8 cm wurde Mitte der 30er Jahre für die ersten Typ VII U-Boote entwickelt und stand auf einer Mittelpivotlafette.

 

Daten:

 

Kaliber:  88 mm
Rohrlänge: 3907 mm
Länge gezogener Teil:  3110 mm
Züge: 32
Rücklauf:  
Waffenlänge: 3097 mm
Gewicht Feuerstellung: 1230 kg
Gewicht Schutzschild:  
Schussweite: 14175 m
Schusshöhe:  9150 m
Seitenrichtbereich: 360°
Höhenrichtbereich: - 10° bis + 70°
Feuergeschwindigkeit: 15 Schuss/min
Kammervolumen 3,67 m3

 

 

 

88 mm S.K. C 35 U in Lafette C 35 U:

 

 

Die Weiterentwicklung der 8,8 cm S.K. C 30 U in Ubts.-L. C 30 U bekam die Bezeichnung 8,8 cm S.K. C 35 in Ubts.-L. C 35. Bei ihr wurde allerdings der Höhenrichtwinkel auf 30 Grad begrenzt und somit fehlte ihr die Luftabwehrfähigkeit.

 

105 mm  S.K. C 32 in Lafette C 32 U:

 

 

Diese Geschütz spielte anfangs nur eine sekundäre Rolle in der Entwicklung, da die volle Energie auf die dreiachsig gelagerte 10,5 cm S.K. verwendet wurde. Erst als der Krieg es erforderte, eine schwere Kanone zur Flugabwehr zu benutzen, gewann diese, auf eine Mittelpivotlafette gesetzte Waffe an Bedeutung. Im Gegensatz zur M.P.L C 32 wurde für die U-Boot-Lafette das Gewicht reduziert und der Höhenrichtwinkel verringert. Das Geschütz wurde für die Boote vom Typ I und IX benutzt.

 

105 mm S.K. C 32 in Lafette C 36 U:

 

Die 10,5 cm bekam bald nachdem sie mit der M.P.L. C 32 U gefertigt wurde einen neue Lafette: Ubts.-L. C 36 U. Dieses Geschütz bekamen jene U-Boote, die nicht bereits mit der 8,8 cm S.K. C 35 U in Ubts.-L. C 35 U ausgestattet waren.

 

 

 

Flak-Bewaffnung

 

 

Zu Beginn des Krieges sah man die Bedrohung für die U-Boote aus der Luft eher als gering an (Die britischen Luftwaffeneinheiten versenkten 1939 und 1940 insgesamt 2 U-Boote). Die ersten Kampfeinsätze sahen die Boote darum teilweise mit 2 cm Flak, die vor dem Tauchen wieder demontiert werden musste. Sehr schnell wurde aber klar, dass eine fest installierte Bewaffnung überlebenswichtig war. Die zunehmende Bedrohung aus der Luft führte bis Kriegsende zu einer Erhöhung der Zahl und auch des Kalibers der Fla-Waffen. 1942 wurde sogar der Umbau des MG 151/15 mit druckfesten Kastenlafetten geprüft, da schnellstmöglich eine Verstärkung nötig war. Trotzdem wurde mehr als die Hälfte der vernichteten deutschen U-Boote von Flugzeugen versenkt.

Die Geschütze waren zumeist hinter dem Turm angebracht ("Wintergarten"). Versuche, die Bewaffnung auch vor dem Turm zu installieren, wurden wegen der daraus entstehenden Probleme mit der Unterwasserstabilität der Boote nicht realisiert.

 

Die Maschinenwaffen deutscher Herkunft wurden von Rheinmetall entwickelt und bei verschiedenen Herstellern gebaut. Die Waffe  wurden getrennt gebaut und der Zusammenbau erfolgte beim Lafettenhersteller. Die zu liefernden Mengen wurden vom Kriegsministerium vorgegeben und Festpreise gezahlt, die nur knapp über den Herstellungskosten lagen.

 

Die Waffen:

 

 

 

13,2 mm-MG Breda:

 

 

Die im Mittelmeer eingesetzten U-Boote erhielten aus logistischen Gründen diese Waffe 1942 bis 1943. Der Einsatz erfolgte in zwei Zwillingslafetten, die hydraulisch aus druckdichten Tuben in Einsatzstellung fuhren.

 

 

2 cm-MG C 30 in einfahrbarer U-Boot-Lafette:

 

 

Die C 30 war eine 2 cm-MG, mit der die ersten deutschen U-Boote ausgerüstet wurden. Sie wurde unter anderem auch auf einer hoch- und herunterfahrenden Lafette montiert. Ab 1940 erhielten alle Typ VII-Boote diese Waffe auf die Brücke.

 

Daten:

 

Kaliber: 20 mm
Rohrlänge: 1450 mm
Länge gezogener Teil:  1159,4 mm
Züge: 8
Rücklauf:  
Waffenlänge: 2251 mm
Gewicht Feuerstellung: 420 kg
Gewicht Schutzschild:  
Schussweite: 4800 m
Schusshöhe:  3800 m
Seitenrichtbereich: 360°
Höhenrichtbereich: - 10° bis + 90°
Feuergeschwindigkeit: 120Schuss/min
Kammervolumen 0,048 m3

 

 

 

2 cm-MG C 38 (später: 2 cm-Flak C 38 ):

 

Die Weiterentwicklung der C 30 führte zu dieser Waffe  mit einer höheren Feuergeschwindigkeit von 220 Schuss. Da mehr bestellt wurden als aufgrund der Kriegswirren gefertigt werden konnte, waren am Ende des Krieges noch viele C 30 im Einsatz.

 

 

2 cm-MG C 38 in Doppellafette LM 43 U:

 

 

Diese Waffe bestand aus zwei 2 cm-Flak C 38 auf der LM 43 U. Mit Lafette betrug das Gesamtgewicht 3600 kg. Der Höhenrichtbereich war auf -10° bis 78° eingeschränkt. Die Ausrichtung erfolgte per Hydraulik mit einer maximalen Seitenrichtgeschwindigkeit von 30° je Sekunde. Erste Serienfertigung erfolgte im Juni 1943.

 

 

2 cm-MG C 35 in Vierlingslafette C 38:

 

Um die bordeigene Flugabwehr zu verstärken, begann man unter der Bezeichnung 2 cm-MG C 35 in Vierlingslafette C 38 mit dem Bau von vier Fla-MG C 30 auf einer Lafette. Mit dieser Waffe wurden unter anderem zahlreiche U-Boote ausgestattet. Das Geschütz konnte zusätzlich zu Höhe und Seite auch kantgerichtet werden, um das Schwanken auf Deck zu kompensieren.

 

 

2 cm-MG C 38 in Vierlingslafette C 38/43 U:

 

 

Im Laufe des Krieges wurde der 2 cm-MG C 30 und die Vierlingslafette C 38 verbessert und unter der Bezeichnung 2 cm-MG C 38 in Vierlingslafette C 38/43 U mit seitlich ausklappbaren Flankenschutzschild produziert und eingesetzt. Das Geschütz konnte zusätzlich zu Höhe und Seite auch kantgerichtet werden, um das Schwanken auf Deck zu kompensieren. Ab 1943 war diese Waffe zusammen mit der 3,7 cm Flak M42 als Standartbewaffnung der Hochseeboote vorgesehen. Nach ersten Einsatzerfahrungen wurden die klappbaren Schutzschilde verstärkt. Auch wurde die zu geringe Wirkung bemängelt. Weiterentwicklungen bei Henschel konnten aber keinen Durchbruch erzielen. So blieb die Waffe bis Kriegsende im Einsatz, obwohl sie gegen die gepanzerten U-Jagd-Flugboote und Flugzeuge der Alliierten eher eine moralische Wirkung hatte.

 

 

3 cm-MK 303 / M44 Zwilling:

 

 

Die MK 303 geht auf die Flugzeugbordkanone MK 101 aus dem Jahre 1935 zurück. Sie sollte als Zwillingswaffe für die Typ XXI U-Boote gebaut werden. Bis zur Fertigstellung der MK 303 sollten die Einheiten mit der 2 cm C 38 bestückt werden. Man spielte auch mit dem Gedanken, sie in einer Vierlingslafette zu bauen, was bis Kriegsende marineseitig aber nicht realisiert wurde. Wegen der stärker gepanzerten Flugzeuge war die Waffe im Vergleich zu der 2 cm-Flak keine Verbesserung. Erst durch die Einführung der Minen- und Panzergranaten wurde ein besserer Effekt erzielt.

 

 

3,7 cm S.K. C 30 U in Ubts.-L. C 39 U:

 

 

Die Entwicklung dieser Waffe geht auf die 20-ger Jahre zurück. Sie war vorgesehen als Standart-Fla-Waffe der Typ IX-Boote, wurde jedoch erst ab Anfang 1941 Standart. Die halbautomatische Waffe litt allerdings an vielen Schwächen und war den Möglichkeiten der Zeit weit zurück. Sie wurde ab 1942 durch die 3,7 cm-Flak M 42 ersetzt.

 

Daten:

 

Kaliber: 37 mm
Rohrlänge: 2560 mm
Länge gezogener Teil:  2289 mm
Züge: 20
Rücklauf:  
Waffenlänge: 2700 mm
Gewicht Feuerstellung: 1750 kg
Schussweite: 6400 m
Schusshöhe:  4800 m
Seitenrichtbereich: 360°
Höhenrichtbereich: - 10° bis + 90°
Feuergeschwindigkeit: 80 Schuss/min
Kammervolumen 0,27 m3

 

 

3,7 cm-Flak M 42 in Lafette für Maschinenwaffe 43 in U-Boots-Lafette (LM 43 U)

 

 

 

Diese Waffe wurde in mehreren Ausführungen gebaut. Sie wurde auf einer dreiachsig stabilisierten Mittelpivotlafette aufgesetzt, die Zuführung der Munition erfolgte über einen 8 Schuss-Patronenrahmen von oben. Die Feuergeschwindigkeit wurde auf 120 Schuss je Minute gesteigert.

Um den Unterwasserwiderstand zu reduzieren, wurden bei der U-Boot-Variante der Schutzschild so gefertigt, dass die Seitenteile beiklappbar. Neben der Standardversion gab es eine Schutzschild-Version mit verringerter Stärke. Das Einsatzgewicht lag bei 1330 kg. Allein bei der Maschinenfabrik Richard Raupach in Görlitz wurden über 300 LM 43 U gebaut.

Die Waffe wurde erstmals im Oktober 1943 auf U-Booten montiert. In ihrer Leistung war diese Waffe mit gut zu bewerten. Es gab ab Herbst 1944 auch doppelrohrige Ausführungen.

 

Das Nachfolgemodell M 43 wurde ab April 1944 bei der Maschinenfabrik Raupach in die Lafetten eingebaut.

 

 

 

 

U-Boot-Türme:

 

Der Einbau dieser Flawaffen verlangte im Krieg verschiedenen Umbauten der Türme. Neben den Fla-Waffen wurde auch ständig die Panzerung der Türme erhöht. Diese Veränderungen wurden standardisiert vorgenommen.

 

 

Ausgangstyp:

 

Zu Beginn des Krieges war auf dem nur leicht gepanzerte Turm des Typ VII eine 20 mm-Kanone (vor dem Tauchen abzubauen) installiert. Für die U-Boote vom Typ  IX war ein 37 mm Geschütz als Standardwaffe vorgesehen.

 

Ursprünglicher Turm der Typen VII B und VII C

 

 

 

Turmumbau I:

 

Der Umbau umfasste die Vergrößerung des Turmes, um rechts und links je ein 13,2 mm Breda Zwillings-MG zusätzlich zur 2 cm Flak installieren zu können. Die Mittelmeerboote erhielten diese Modifikation 1942.

 

 

 

Turmumbau II:

 

Neben der Flak auf dem Turmheck erhielten die Boote ab November 1942 einen Anbau, den so genannten "Wintergarten". Dieser war zunächst ein separates Podest hinter dem Turm, wurde aber aufgrund der Einsatzerfahrungen mit dem Turm verbunden.  Als Übergangslösung bis zur Einsatzreife des 2 cm Flakzwillings wurde dort ab November 1942 eine 20 mm Flak in Einzellafette installiert. Insgesamt diente der Turmumbau II als Behelf bis zur Einsatzfähigkeit des 2 cm Flakvierlings und der 3,7 cm-Flak M 42.

 

 

 

Turmumbau III:

 

Die VII D-U-Boote hatten hinter dem Turm einen Schacht für Minen und konnten keinen Wintergarten erhalten. Daher wurde hier der Turm verbreitert, um die zweite 20 mm Kanone zu installieren.

 

 

 

Turmumbau IV:

 

 

 

Die VII C-Boote erhielten ab Juni 1943 einen 2 cm Flakvierling auf dem Wintergarten und zwei 20 mm Zwillingsflak auf dem Turm. Der Turmumbau IV war ab 1941 als endgültige Flakbewaffnung vorgesehen. Ab Juli 1943 durfte kein Boot mehr in den Atlantik auslaufen, dass nicht mit einem 2 cm Flakvierling ausgestattet war. Entwicklungs- und Lieferprobleme verzögerten den Einbau der ursprünglich vorgesehenen 3,7 cm Flak M 42. Die Umrüstung wurde erst im Laufe des Jahres 1944 möglich. Einige Kommandanten behielten ihren Vierling bis Kriegsende.

 

      

 

 

 

 

 

 

 

Turmumbau V:

 

 

In einem Truppenversuch erhielten im August 1943 ein Boot (U-362) vier 20 mm Zwillingsflak, von denen eine vor dem Turm auf einer verkleideten Plattform angebracht wurde. Die Konfiguration machte das Boot jedoch instabil in der Unterwasserfahrt und wurde umgehend wieder entfernt.

 

 

 

Turmumbau VI:

 

 

 

Zwei Boote( U-673, U-973) erhielten in einer zum Turmumbau V parallelen Erprobung eine je eine 3,7 cm Flak auf einer nicht verkleideten Plattform vor dem Turm und auf dem Wintergarten. Auch hier ergaben sich unzumutbare Stabilitätsprobleme.

 

 

 

Turmumbau VII:

 

 

Bei dieser Variante warum den Turm herum eine Plattform vorgesehen, auf der vorne und hinten je zwei 3,7 cm Flak montiert werden sollten. U-676 erhielt diesen Umbau in einer abgewandelten Form mit je zwei 3,7 cm Flak und zwei 2 cm Flakzwillingen. Ursache war die Befürchtung, dass die Feuergeschwindigkeit der 3,7 cm Flak für eine effektive Luftabwehr nicht ausreichend sein würde. Im Herbst 1944 wurde ein Erprobungseinsatz im Finnbusen durchgeführt. Von einem serienmäßigen Einbau wurde abgesehen.

 

Über diese Standartvarianten hinaus gab es bootsspezifische Ein- und Umbauten mit weiteren Fla-Waffen, je nach Geschmack des Kommandanten. Zu den Flak-Geschützen kamen noch  MGs, die für Priseneinsätze mitgeführt wurden.

 

Die Typ XXI U-Boote sollten zwei 30 mm Zwillingstürme erhalten. Diese benötigten drei Mann zur Bedienung, die entweder durch den Turm oder durch Klappen auf der Oberseite die Türme betreten konnten. Vorgesehen waren je zwei 3 cm Flak M 44 Zwillinge mit 3800 Schuss je Turm. Durch Produktionsengpässe wurden meist 20 mm Zwillingsflak eingebaut. Die zahlenmäßige Verringerung der Flakbewaffnung erklärt sich dadurch, dass die Typ XXI Boote länger unter Wasser bleiben konnten und dadurch weniger anfällig gegen Flieger waren. In der Praxis erwiesen sich die Türme als schlecht zugänglich und sie verzögerten das Alarmtauchen, da sie erst in Bootslängstrichtung gedreht werden mussten, um den Unterwasserwiderstand so gering zu halten, dass sich die Rohre nicht verbogen.

 

Testeinbau des Turms für Typ XXI auf U-37 vom Typ IXA

 

 

 

Flakfallen:

 

 

 

 

 

 

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