Typ 92 schweres Panzerfahrzeug:

九二式重装甲車

Kuni shiki Ju-Sōkōsha

 

Nach den Tests mit den Carden-Loyd Tanketten empfahl die Kavallerieschule, ein schnelles, voll geländegängiges Fahrzeug für Aufklärungs- und Unterstützungszwecken anzuschaffen. Da das Konzept des Halbkettenfahrzeugs in Bezug auf die Geländegängigkeit nicht ganz überzeugte, sollte das nächste Modell über einen Vollkettenantrieb verfügen. Da die Hauptaufgabe die Aufklärung sein sollte, war eine Panzerung gegen Infanterie-Vollgeschossmunition als ausreichend angesehen worden. Darüber hinaus musste eine Bewaffnung her, die auch das Erzwingen von Aufklärung ermöglichte. Dabei sollte ein MG in einem Drehturm untergebracht werden und ein weiteres MG, vorzugsweise von größerem Kaliber mit entsprechender panzerbrechender Fähigkeit, im Bug untergebracht werden. Darüber hinaus sollte eine Anhängevorrichtung einen Einsatz als Zugmaschine für kleine Lasten ermöglichen.

  

 

Obwohl das Fahrzeug praktisch ein leichter Panzer war, wurde er als schwerer Panzerwagen bezeichnet, da die Kavallerie nur Panzerwagenverbände erhalten sollte und keine Panzer. So ließ sich das Fahrzeug gegenüber der Armeeführung besser verkaufen, die Panzer ausschließlich für die Panzertruppen der Infanterie vorsah.

Im Februar 1931 erhielt Ishikawajima den Auftrag, einen Prototypen zu entwickeln und zu bauen. Es entstand bis März 1932 ein relativ modernes Fahrzeug mit in der Mitte liegendem Kampfraum. Der Fahrer saß vorne rechts, neben ihm ein MG-Schütze, der ein MG in einem kleinen Erker bediente. Die Kugelblende ermöglichte bei Bedarf indirektes und Luftabwehrfeuer. Entsprechend wurde eine Multifunktionsoptik mit beweglichem Einblick entwickelt, das dem Schützen jederzeit das Zielen im Sitzen erlaubte. Zunächst war für den Bugschützen ein britisches 12,7 mm MG vorgesehen. Später wurde dieses MG durch ein leichtes Typ 91 6,5 mm MG, ein Typ 92 13,2 mm MG  oder eine 20 mm Maschinenkanone ersetzt, letztere wurden verwendet, um die Panzerabwehrfähigkeit zu verbessern. Es gab auch Versuche, eine Typ 94 37 mm Panzerkanone einzubauen, was am dafür zu geringen Platzangebot im Erker scheiterte.

 

 

 

Im konischen Turm stand dem Kommandanten ein Typ 91 leichtes MG in einer Standard-Kugelblende zur Verfügung. Die Panzerung hatte eine Stärke von 6 mm und war damit nicht sicher gegen Infanterie-Hartkernmunition. Beim Bau wurde zum ersten Mal weltweit die Elektroschweißtechnik in großem Umfang eingesetzt. Dadurch verringerte sich die Zahl der Nieten, die im Gefecht bei Treffern auf die Nietköpfe zu Geschossen im Panzerinneren wurden. Als problematisch erwies sich die gemischte Verwendung von Guss- und Walzstahl, da im Gefecht öfter mal eine Schweißnaht zwischen unterschiedlichen Stahltypen riss. Der hinten liegende Motor war zunächst ein 6-Zylinder Benzinmotor, der aber nach Verfügbarkeit eines geeigneten Dieselmotors Mitte der dreißiger Jahre ausgetauscht wurde.

 

 

 

Das Laufwerk bestand zunächst aus je vier, später aus aus je sechs paarweise angeordneten Laufrädern pro Seite, die über Blattfedern am Rumpf vernietet waren. Die Ketten wurden vorn über Lenkgetriebe angetrieben. Die Spannräder waren hinten angebracht. Hinzu kamen noch drei Stützrollen je Seite. Die Prototypen wiesen noch zwei Laufradpaare je Seite auf. Zu Beginn kam es durch den großen Abstand zwischen den Laufrollen eines Laufradpaares immer wieder zu Kettenabwürfen. Dies führte zu einer Verlängerung des Fahrzeugs und dem Einbau eines dritten Paares Laufräder je Seite. Der Bugerker erhielt außerdem eine geschossabweisendere Form durch Abschrägung der Ecken.

 

  

 

1933 begann die Serienproduktion, allerdings in geringen Stückzahlen, da man noch nicht die nötigen Kapazitäten für eine größere Serienproduktion hatte. Die Fahrzeuge der Serienproduktion erhielten ab 1934 ein neues Laufwerk mit je 2 Paaren größerer Laufräder und 2 statt 3 Stützrollen. Damit entsprach das Laufwerk zu großen Teilen dem des Typ 95 Ha-Go. 1939 wurde die  Serienfertigung des Typ 92 eingestellt.

 

 

Der erste Kampfeinsatz des Typ 92 Panzerwagens erfolgte 1933 während der Operation Jehol in der Inneren Mongolei in je einem Aufklärungszug zu sieben Fahrzeugen in einer Kavalleriebrigade und einer Panzereinheit. Dabei kam es zu keinem Gefecht, allerdings erwies sich das Fahrzeug als sehr wertvoll in der Aufklärung für die mechanisierte Brigade, die tief in Nordchina eindringen konnte. Während weiterer Gefechte in China in den dreißiger Jahren konnte der Typ 92 Panzerwagen oft seinen Wert unter Beweis stellen.

 

 

 

Einige Fahrzeuge wurden ab 1937 mit Funkgeräten an Stelle des Bug-MG als Funkpanzer ausgerüstet. Sie erhielten die für mit Funk ausgerüstete frühe japanische Panzer typische kreisförmige Rahmenantenne, die am Turm befestigt wurde. Darüber hinaus wurden die Typ 91 MG durch Typ 97 MG ersetzt. Zusätzliche Sichtblenden für den Fahrer verbesserten die Sicht.

 

Ab 1937 wurden die Typ 92 Panzerwagen in den Kavallerie-Aufklärungskompanien durch Typ 95 leichte Panzer ersetzt. Bis Anfang der vierziger Jahre wurden die verbliebenen Fahrzeuge in den Aufklärungszügen der Panzerregimenter eingesetzt und dann nach und nach durch die Typ 97 Tankkette ersetzt, da die Panzerung nicht mehr den Erfordernissen entsprach.

 

 

Daten:

 

Hersteller:

Ishikawajima Jidosha Seisakusho

gebaute Fahrzeuge:

167

Kampfgewicht: 

3,5 t

Bodendruck:

n.b.

Besatzung:

3 Mann

maximale Panzerstärke:

6 mm

Länge:

3940 mm

Breite:

1620 mm

Höhe: 

1830 mm

Kettenauflage:

n.b.

Kettenbreite:   

210 mm

Bodenfreiheit:

280 mm

watfähig bis:

800 mm

überschreitet:

1600 mm

klettert: 

n.b.

maximale Steigung:

30°

Motor:

Mitsubishi 6-Zylinder Benzinmotor

Leistung:

45 PS bei 1600 U/min

Straßengeschwindigkeit:

40 km/h

Geländegeschwindigkeit:

n.b.

Reichweite:

100 km

Tankkapazität:

n.b.

Getriebe:

n.b.

Leistungsgewicht:

12,9 PS/t

Bewaffnung Turm:

1 X 6,5 mm MG Typ 91, später 1 X 7,7 mm MG

Typ 97

Bewaffnung Bug:

1 X 6,5 mm MG Typ 91,  später 1 X 7,7 mm MG

Typ 97 oder

1 X 13,2 mm MG Typ 92 oder

1 X 20 mm MK

Munitionsvorrat:

n.b.

 

Seitenansicht frühes / spätes Produktionsmodell: